Fr

15

Jan

2010

Hermann Plagge: Der Student

 

Vom dumpfen Hieb auf Teppich und Matratze

erwacht er -- faulen Biergeschmack im Munde --

und sieht verschlafen fast die Mittagsstunde,

zehn Narben glühn ihm auf zerschlagner Fratze.

 

Er müht sich aus den Kissen mit gequäle,

die Wirtin bringt den Kaffee, dünn, verbittert,

die Nägel sind von altem Dreck zerknittert,

ein Brechreiz steigt ihm elend in die Kehle.

 

An Wänden hängen Drucke -- Ansichtskarten --

verblaßte Bänder und zerschlißne Mützen,

ein Schlägerpaar ist müd von Terz und Quarten.

 

Am Schreibtisch trocknen ein paar Tintenpfützen,

dort lügt er auf geliehenen alten Schwarten

Briefe an Braut und elterliche Stützen.

 

Wiecker Bote, 7. Heft, März 1914