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11

Aug

2010

Ausstellung: Die Geburt der Romantik

Das Pommersche Landesmuseum in der Hansestadt Greifswald zeigt vom 28. August bis 21. November 2010 die Ausstellung „Die Geburt der Romantik“. Bei der Kunstausstellung stehen drei bedeutende Maler der Romantik im Mittelpunkt. Drei fast zur gleichen Zeit in Schwedisch-Pommern geborene junge Männer, die zum einhelligen Entsetzen ihrer Väter beschließen, Maler zu werden, und von der Geburt einer neuen Kunst träumen: Caspar David Friedrich (geb. 1774) aus Greifswald, Philipp Otto Runge (geb. 1777) aus Wolgast und Friedrich August von Klinkowström (geb. 1778) aus Ludwigsburg.


Zum 200. Todestag Philipp Otto Runges bereitet das Pommersche Landesmuseum in Greifswald eine hochkarätige Ausstellung vor, die das „Collegium“ der pommerschen Romantiker beleuchtet. Bilder wie Runges „Petrus auf dem Meer“, das er ab dem Spätherbst 1806 in Wolgast bei seiner Familie malte, oder die „Wiesen bei Greifswald“ von Caspar David Friedrich kehren erstmalig nach Pommern zurück. Auch das von Runge 1808 gemalte Bildnis seines Freundes Klinkowström aus dem Belvedere, Wien wird zum allerersten Mal hier zu sehen sein wie auch dessen Nachlass aus österreichischem Privatbesitz. Und aus der Nationalgalerie Oslo reist sogar Friedrichs Gemälde „Greifswald bei Mondschein“ für die Ausstellungszeit in die Geburtstadt des Malers.

Allen drei Künstlern war ihre Berufung nicht in die Wiege gelegt. Die Familien standen dem Wunsch, Maler zu werden, genauso ratlos gegenüber wie der damit verbundenen Frage nach der Sicherung des Lebensunterhalts. Während Friedrich ab 1794 unter dem Druck, sich der Familie zu beweisen, die Akademie in Kopenhagen besuchte, musste Runge erst auf dem Kontorsessel in Hamburg Platz nehmen, ehe er mit schon 22 Jahren hierher aufbrechen durfte. Klinkowström ging auf den Wunsch seines Vaters zum Militär. 1802 quittierte er den Dienst und kehrte nach Ludwigsburg zurück. Im Sommer dann brach er, um Künstler zu werden, nach Dresden auf – in Begleitung des vier Jahre älteren Friedrich, den sein Vater engagiert hatte, um ihn das erste Jahr zu unterstützen. Beide bezogen dort eine gemeinsame Wohnung.

Philipp Otto Runge, Selbstbildnis, 1805, Hamburger Kunsthalle / bpk

 

Hier wurden sie schon von Runge erwartet, der seinem Bruder Daniel am 27./28. Juli die Neuankömmlinge aus der Heimat meldete: „Fridrich aus Greifswald, ein Landschaftsmahler, ist auch hier angekommen, mit einem jungen v. Klinkowström desgleichen; kurz die Künstler wandern recht von Pommern her, unser sind nun schon fünf hier.“ Schnell schlossen Runge und Klinkowström Freundschaft, die bis zu Runges frühem Tod 1810 Bestand haben sollte. Sie arbeiteten in Dresden Seite an Seite und auch Friedrich und Runge standen sich in ihrem Leben nie wieder so nahe wie in dieser Zeit, als sie beide an den Tages- bzw. Jahreszeiten arbeiteten, die Geburt einer neuen, auf die christliche Religion gegründeten Kunst fest im Blick.

Über den gemeinsamen Freund Klinkowström war Runge in den folgenden Jahren stets über Friedrichs Pläne unterrichtet, auch kaufte er selbst Arbeiten des Landsmannes an oder brachte für dessen ehemaligen Lehrer Quistorp Briefe und Zeichnungen mit nach Hause. Ganz eng nahmen Klinkowström und sein „Herzens Otto“ am Leben des jeweils anderen teil. 1804 lud Runge Klinkowström nach Hamburg ein, wo sie gemeinsam auf seiner Stube arbeiteten, zusammen Altargemälde aus dem Hamburger Dom bargen und Unterricht beim Maler Eich in Altona nahmen.

Im September 1805 kehrte Klinkowström allerdings wegen der schlechten „pecuniären Aussichten“ nach Dresden zurück, was Runge lange nicht verwand. Hier sollte Klinkowström seine Kopie der „Heiligen Nacht“ nach Correggio malen, die noch heute in der Greifswalder Marienkirche hängt und in der Ausstellung zu sehen sein wird. Fast der einzige Umgang in dieser Zeit war sein Landsmann Friedrich, der ihn auch während einer schweren Krankheit pflegte. Als die Kriegswirren Runge 1806 in der Heimat festhielten und Klinkowström zurückkehrte, um das finanziell schwer angeschlagene väterliche Gut zu bewirtschaften, gingen die Besuche hin und her.

Friedrich August von Klinkowström, Ossian, 1807, Aquarell, Privatbesitz, Tirol

 

Wie Friedrich und Quistorp zuvor beschäftigten Runge in diesem Herbst die Pläne seines ehemaligen Lehrers Kosegarten, inzwischen Pfarrer in Altenkirchen auf Rügen, zu einer Uferkapelle in Vitt. Im Juni hatte er diesen auf Rügen getroffen, bei einer Reise, die er gern mit Friedrich unternommen hätte, aber diese Verabredung scheiterte ebenso wie entsprechende Reisepläne mit Klinkowström. Um Weihnachten überlegte er ernsthaft, sich in Greifswald niederzulassen, aber die unruhigen Zeiten kappten alle Pläne. „Der wird eben so gut noch ein Landmann, wie ich ein Kaufmann und vielleicht besser“, stöhnte Runge bei einem Besuch in Ludwigsburg, als er Klinkowström dort bei der Arbeit traf. Denn er selbst sollte als stiller Teilhabe seines Bruders wieder den Kontorsessel in Hamburg einnehmen. Dem am Boden zerstörten Freund aber ermöglichten Otto und Daniel die Reise nach Paris, indem er einen Vorschuss auf seine „Nacht“ und Kredit erhielt. Auf dem Weg machte er selbstredend in Hamburg bei seinen „Rettern“ Halt. Ohne es zu ahnen, sahen sich die Freunde das letzte Mal vor Runges frühem Tod im Dezember 1810.

Noch von Paris aus gehen zwischen Klinkowström und Runge Farben und Malgeräte hin und her, wie auch zwischen Dresden und Hamburg, wo Friedrich Besorgungen für Runge erledigte. So standen die drei pommerschen Landsmänner zeit ihres Lebens in Kontakt, auch wenn alle drei letztlich unterschiedliche Lebenswege gingen, die in Hamburg, Wien und Dresden endeten, wo sich Friedrich und Klinkowström, der 1811 die Malerei aufgegeben hatte, 1814 ein letztes Mal trafen.

Neben den „bildlichen“ Einblicken der Ausstellung in das Leben und Wirken der drei schwedisch-pommerschen Maler, kann der Besucher in nächster Nähe die „Originalschauplätze“ erleben: Das Rungehaus in Wolgast, das Caspar-David-Friedrich-Zentrum in Greifswald, die drei Taufkirchen in Greifswald, Wolgast und Kemnitz, Schloss Ludwigsburg oder die Kapelle in Vitt auf Rügen.

Text: Birte Frenssen
Fotos © Elke Walford (Friedrich), Christoph Irrgang (Runge), Grzegorz Solecki

 

Nachtrag: Eine Ausgabe mit den Dichtungen Philipp Otto Runges ist beim Wiecker Boten in Vorbereitung.